... Meine linke Hand beginnt zu zittern, ich schaue an mir herunter und sehe diesen wunderschönen schwarzen Ledermantel, den ich trage. Meine Schuhe hallen tausendfach in der kleinen Gasse wieder, in der ich mich befinde. Gleich werde ich wieder auf die Hauptstraße kommen, dachte ich mir, während ich in ein Fenster sah. Mein Gesicht wurde von dem dreckigem Glas reflektiert. Ich trug schwarzen Lippenstift und hatte schwarz gefärbte Haare. Es war ein großes Fenster, so dass ich mich ganz sehen konnte. An meiner linken Hand trug ich einen Ring, meine Fingernägel waren schwarz gefärbt. Ich wandte mich ab, denn das war ein Anblick, der sich mir jeden Tag bot.
Ich stand auf einmal auf der Straße. Die Leute schauten mich an. Ich sehe wie ihre Blicke über meinen Mantel huschen, um sich dann an meinem Gesicht zu fixieren, doch ich war es gewohnt. Jeden Tag das gleiche wenn ich zur Arbeit gehe. Das alte keltische Kreuz, das ich um den Hals trug, bewegte sich schwer im Wind.
Mein Arbeitgeber hatte nichts gegen mein Aussehen, er war da sehr tolerant, trotzdem gab es viele, die nicht für ihn arbeiten wollten.Ich verdrängte den Gedanken und konzentrierte mich wieder auf die Straße. Ich dachte oft nach, denn das war die einzige Möglichkeit den Blicken der anderen zu entgehen. Sie empfanden für mich bestimmt Hass, gerade weil in den letzten Monaten wieder Satanisten unseren Friedhof geschändet hatten. Wenn sie nur endlich verstehen würden wer ich bin. Ich sah das Haus in dem ich arbeitete. Als ich kerzengerade darauf zuhielt, wurden die Gesichter der Menschen um mich herum immer länger. Sie schienen noch immer nicht zu verstehen...
Ich frage mich nur eins:
Ob diese Menschen jeden Pfarrer so anschauen....
© Christian Hälsig, 2001
(Neo, der kein Gothic mehr ist.)